... Die Offenbarung der dreifaltigen Göttin ...

von Anna-Lena Wulf
 

Ich bin der neugeborene Frühling,
bin das erste zarte Licht,
bin die ersten wärmenden Sonnenstrahlen.
Ich bin das kaum fassbare Leben,
bin das erste Blatt,
bin die erste Blüte,
die Herrin der Blumen.
Ich bin die zunehmende Sichel des Silbermondes,
auferstanden aus meinem Winterschlaf,
bin nie zuvor gewesen und doch schon immer da.
Ich bin die Reinheit,
denn nichts hat meine Unschuld je berührt,
nichts hat mich je besessen.
Ich bin es, die mit den Wolken spielt,
den Nebel am Morgen gleich, kaum fassbar,
und doch bin ich Ursprung deiner Sehnsüchte.
Seit je an ward ich mein eigner Hirte,
die Jägerin des Unbekannten,
wild durchstreife ich das Land!
Komm zu mir!
So folge mir!
Schaue ins Wasser der Welten
und erkenne Dich in Deiner vergessenen Tiefe.
Sieh ich bin da, denn ich bin in Dir.


Ich bin der satte Sommer,
bin die schwelende Hitze der Sonne,
bin der laue Südwind.
Ich bin die anschwellende Frucht des Lebens,
bin das reifende Korn,
bin der Überfluss,
Herrin des Lebens und der Entstehung.
Ich bin der verzaubernde Vollmond,
der den Himmel beherrscht,
strahlen erleuchte ich die Nacht.
Ich bin Gemahlin und Mutter,
bin gereift und gewachsen
durch der mir innewohnenden Kraft.
Ich bin die unantastbare Liebe,
ich liebe und werde geliebt.
Ich bin der Beschützer des Lebens,
jenes, welches ich in mir trage,
und jenes, welches auf den Welten wandelt,
denn alles ist eins,
verbunden in der Unendlichkeit der Liebe.
Sei Dir dieser Liebe stets bewusst
und glaube mir,
eines Tages wirst Du mein sein,
denn ich bin in Dir,
vom Anbeginn der Zeit.


Ich bin der verzaubernde Herbst,
bin der weise Ostwind,
bin die untergehende Sonne.
Ich bin der Sturm der Weisheit,
bin der Nebel der Anderswelten,
bin die Farbenprächtigkeit der Erfahrungen,
die Herrin der Geheimnisse.
Ich bin der abnehmende Mond,
dessen Sichel die Sterne erntet,
so, wie die Menschen das Korn.
Ich bin der eisige Wind,
der die Zeit der Dunkelheit verkündet.
Ich bin reif an Jahren,
bin reif an Weisheit,
bin reif an verborgenem Wissen.
Meine Augen blicken hinter die Schleier,
nichts ist für mich verborgen,
weder in dieser,
noch in den anderen Welten.
Ich bin die Alte, die Greisin,
bin die Erntekönigin.
Ich sehe Dich,
mein Wissen, meine Erfahrungen,
sie leiten Dich.
Ich bin bei Dir,
und wenn Dein Ostwind weht,
dann wirst Du mir folgen.