... Femizid: 50 Millionen Frauen fehlen ...
Völkermord am weiblichen Geschlecht in Indien

von Anna-Lena Wulf
 

Über 50 Millionen indische Frauen sind in 3 Generationen systematisch und gezielt ausgelöscht worden. Der Grund: Sie waren weiblich.

Einer der schlimmsten Völkermorde der Menschheitsgeschichte geschieht in Indien leise und ununterbrochen. Jeden Tag. Jetzt, hier und heute. Rita Banerji bricht das Schweigen und hat die “The 50 Million Missing Campaign”  gegründet.


Methoden des Femizids

Die Methoden zur Beseitigung von indischen Frauen sind mannigfaltig:

  • Weibliche Embryonen werden gezielt abgetötet. 2 – 5 Mio. Mädchen pro Jahr.
  • Weibliche Babys werden erwürgt, ertränkt und vergiftet.
  • Mädchen sterben vielfach durch bewusst herbeigeführtes Verhungern. Sie werden vernachlässigt. Lebensmittel oder Medikamente werden nicht an sie verschwendet. Sterben auf Raten.
  • Junge Frauen werden wegen Ihrer Mitgift ermordet. Auch „Ehrenmorde“ sind weit verbreitet. Beliebt ist das übergießen mit Kerosin und anschließende anzünden. Gerne werden auch Selbstmorde durch z.B. Schlaftabletten oder Erhängen inszeniert oder die Frau wird so lange gefoltert, bis sie das „freiwillig“ übernimmt. Nach Schätzungen verlieren jährlich 106.000 Frauen aus diesem Grund ihr Leben. Die Überlebenden führen in ihren verbrannten und verstümmelten Körpern ein menschenunwürdiges Leben.
  • Angebliche  Hexen  werden gelyncht oder verbrannt.
  • Aufgrund der vielen Schwangerschaften und Abtreibungen hat Indien die höchste Müttersterblichkeitsrate der Welt. Alle 5 Minuten stirbt in Indien eine schwangere Frau.

Ursachen des Femizids

Der Völkermord wird in allen Bereichen der indischen Gesellschaft praktiziert und ist unabhängig von Bildung oder Einkommen.

Die einzige Schicht mit einem normalen Frauenanteil ist laut einer Volkszählung aus dem Jahr 2011 die der Ärmsten der Armen. Dies liegt vermutlich daran, dass sich diese Bevölkerungsgruppe Ultraschalluntersuchungen sowie Abtreibungen nicht leisten kann. Zudem fallen Mitgiften gering aus und da die Familien selbst nichts haben, lohnt es sich auch nicht sie zu erpressen.

Das schockierende am Femizid in Indien ist, dass bei wachsender Bildung und Wohlstand die Rate des geschlechtsbezogenen Genozids ansteigt. Dahinter verbirgt sich eine patriarchalische Logik. Es ist im Interesse der Familie ihren Reichtum in männlicher Linie zu vererben, da dies der Festigung von Ansehen und Macht dient. Die Kontrolle über den Wohlstand, die Ressourcen und Familienführung  obliegt in der indischen Kultur dem Mann. Je Wohlhabender eine Familie ist, desto mehr hat sie also aus ihrer Sicht durch eine Tochter zu verlieren. 
Diese Gedanken sind so fest in den religiösen und kulturellen Glaubenssätzen verankert, dass der Femizid in der alltagspsychologischen Wahrnehmung als gerechtfertigt bewertet wird. Es ist den Tätern bewusst, dass sie sich aus gesetzlicher Sicht illegal verhalten, doch nach den moralischen Prinzipien ihrer Gesellschaft ist ihr Verhalten normal und legitim.

Frauen sind nichts wert. Sie existieren um den Mann zu dienen, sexuell gefällig zu sein, Kinder zu gebären, aufzuziehen und das Heim in Ordnung zu halten. Davon sind leider immer noch viele Inder überzeugt. Diese Wertlosigkeit der Frau in der indischen Gesellschaft ist eine der Hauptursachen für den Völkermord. Frauen werden wie Müll behandelt und einfach weggeworfen. Millionen Töchter werden entsorgt. 50 Millionen Frauen.


50 Millionen Frauen?

Nobelpreisträger Dr. Amartya berechnete bereits 1987, dass 37 Millionen Frauen in Indien "fehlen" würden. Diese Zahl ist eine statistische Schätzung, welche auf dem Geschlechterverhältnis der indischen Bevölkerung basiert.
2002 hat der indische Mediziner Dr. Gautam Allahbadia eine ähnliche statistische Analyse im „Journal of Assisted Reproduction and Genetics“ veröffentlicht. Dort zeigte er auf, dass mittlerweile ungefähr 50 Millionen Frauen fehlen würden. Zählungen aus dem Jahr 2011 ergaben, dass die Rate des Femizids weiter zugenommen hatte und die tatsächliche Anzahl der fehlenden Frauen noch höher liegen müsste.


Quellen und weiterführende Links