... Der Rat der Großmütter ...

vom Rat der Großmütter und Anna-Lena Hertel 


GöttinnenGleich: OmaMeine Großmutter - von Anna-Lena Hertel

Meine Großmutter ist eine heilige Frau. Das war sie schon immer. Voller Liebe, aber auch Respekt und Ehrfurcht habe ich zu Ihr aufgesehen. Ihre Worte waren stets erfüllt von Wissen und Weisheit. Stundenlang habe ich Ihren Geschichten gelauscht und selbst wenn Sie mich als Kind ermahnte, spürte ich Ihre Liebe und Wärme. Ich fühlte mich in Ihrem Armen geborgen, sicher und beschützt. Immer. Als jugendliche redeten wir über alle möglichen Themen, diskutierten über verschiedene Weltanschauungen und das Zusammenspiel zwischenmenschlicher Beziehungen. Ich vertraute Ihr Dinge an, die ich sonst niemanden erzählte. Sie war die Erste, der ich erzählte dass ich eine Hexe bin. Sie lächelte einfach nur wissend, breitete ihre Arme aus und hieß mich willkommen. Nun reitet sie auf dem Zaun zwischen den Welten, dem gestern und morgen. Der Raum ist noch immer erfüllt von ihrem Duft.


 Vorwort – von Anna-Lena Hertel

Großmütter sind große Mütter. Sie sind die Mütter des Großen und Ganzen – verbunden mit der Welt auf eine besondere Art und Weise. Sie blicken zurück auf ein Leben voller Erfahrungen. Sie haben Leben gespendet, genährt und bewahrt.  Sie sind die Hüter eines Wissensschatzes, der nicht erlernbar ist und uns nur im Alter offenbart wird.
Sie hören bereits das immer lauter werdende Geflüster der nächsten Welt. Die Nähe zum Tod verbindet sie noch fester mit dem hier und jetzt.

Unser Jetzt ist jedoch gekennzeichnet von einem globalen Wahn, der sich in Gewalt, Ausbeutung, Umweltzerstörung, Unterdrückung und lebensfeindlichen Handeln auf allen Ebenen Ausdruck verleiht. Allen Orts spüren wir die katastrophalen Auswirkungen unseres selbstzerstörerischen Handelns. Wir bewegen uns zielsicher auf unsere Vernichtung zu und reißen mit uns unzählige unschuldige Leben in den Abgrund.
In dieser schweren Zeit erheben unsere Großmütter wieder ihre Stimme. Die Zeit des Schweigens ist vorbei. 16 Frauen haben sich deshalb zu einem „Rat der Großmütter“ zusammengeschlossen und rufen jede Frau und jeden Mann auf Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und sorge dafür zu tragen, dass nur Vorhaben umgesetzt werden, die dem Leben dienen.

 
Großmütter – vom Der Rat der Großmütter

Quelle: Der Rat der GroßmütterIn ihrem Buch „Die Botschaft der Weisen Alten“ (Ullstein Verlag 2007) berichtet Carol Schäfer über das Treffen von 13 alten weisen Frauen aus Nord-, Mittel- und Südamerika, Asien und Afrika. Die Vision, ein globales Frauenbündnis zu gründen, hatte sie zusammengeführt. Sie empörten sich über die Auswirkungen patriarchaler Machtansprüche, die aus dem biblischen „machet euch die Erde untertan!“ entstanden sind und unter denen die Menschen der indigenen Völker in besonderer Weise zu leiden hatten und haben.
Aber auch in Europa hat dieser Wahn seine Spuren hinterlassen: Gerade Frauen, die dem entgegenwirkten, die sich eingebunden wussten in die Natur und ihre Gesetze und deshalb im Widerspruch zu den Gesetzen von Macht und Profitgier standen, wurden als Hexen verfolgt, verbrannt, vernichtet.
Dass die 13 indigenen Großmütter sich ohne europäische Frauen verbanden, bewog uns, das alte Wissen unserer Ahninnen zu erinnern, in uns zu beleben und nach außen zu tragen. Auf dieser Basis fanden wir zusammen und sehen uns als „indigene“ Großmütter Europas.

Wir knüpfen an die Tradition an, dass Großmütter in ursprünglichen Gesellschaften geachtete Autoritäten sind. Sie tragen das über Generationen gewachsene Wissen in sich, wie Nachhaltigkeit gelebt und Beziehungen gestärkt werden können und haben dieses Wissen aufgrund ihrer Lebenserfahrung zu Weisheit wachsen lassen. Bei der Suche nach unserem Selbstverständnis als Großmütter fanden wir in dem Buch von Jamie Sams „The 13 Original Clan Mothers“ (HaperCollins 1994) genau die Beschreibung der Qualitäten, die wir alten Frauen in uns tragen und die uns zu weisen Alten machen.

Auf dem Weg von unserem ersten Treffen 2009 bis zur Ausrufung unserer 13 Machtworte beim Hambacher Kongress 2010 erhielten wir genug deutliche Zeichen und Unterstützung aus dem Universum, so dass wir über die Ausrufung der Machtworte hinaus auf diesem Weg bleiben und mit unseren Anliegen weiter in die Öffentlichkeit gehen wollten.

Wir treffen uns zwei bis dreimal im Jahr für etwa drei Tage im „Heilehaus“, das in unmittelbarer Nähe vom Hohlen Fels, dem Fundort der fast 40 000 Jahre alten Urmutter, liegt. Die Gleichzeitigkeit der Entstehung vom Rat der Großmütter und dem Fund dieser uralten Göttinnenfigur inspirierte uns von Anfang an und bis heute, denn  wir verstehen unser Wirken gleichermaßen spirituell als auch politisch.

 
Kreis
– vom Der Rat der Großmütter

Quelle: Cornerstone / pixelio.deWährend unserer Treffen ist uns der Kreis – als Sitz“ordnung“ und als Symbol – bedeutsam.
Er ist ein magischer Raum, verbindet und konzentriert, hält zusammen und ist gleichzeitig geöffnet in das Universum. Er erhält so seine Kraft von den himmlischen Kräften, wird gleichsam „von oben“ inspiriert. Diese Kraft fließt im Kreis als kreative Energie von Großmutter zu Großmutter, um verwandelt als Botschaft, als Machtwort, als Aktion, als Vision, den Kreis wieder zu verlassen und in die Welt getragen zu werden.
Außerdem verbietet der Kreis von sich aus jeden Ansatz von hierarchischen Strukturen. In unseren letzten Treffen konnten wir immer mehr auf die üblichen Strukturen verzichten wie Tagesordnung, Moderation usw. Wir entwickeln immer mehr eine „Arbeits“kultur, in der das Reden und Zuhören nicht wichtiger ist als die sinnlichen Erfahrungen. Vor allem aber spontane und geplante rituelle Handlungen sind ein wichtiger Bestandteil unserer Treffen. In ihnen drückt sich am besten unser Selbstverständnis aus: Wir dürfen unsere Sorgen, Visionen, unsere Ohnmacht verwandeln lassen und finden so immer wieder in die Zuversicht und Hoffnung und heraus aus der Ohne-Macht. Wir sind nicht mächtig aus uns heraus sondern in der Verbindung mit der göttlichen Macht.

Unser Kreis hat ein Zentrum. In diesem Zentrum sind die Dinge, die uns wichtig sind: Blumen oder Zweige als Geschenke der Natur, Licht in Form von Kerzen, ein alter „Großmütter“kreis aus Ton als Spiegel unserer selbst, der Redestab, den eine aus Rumänien mitbrachte sowie unsere persönlichen Kraftgegenstände, die unser spirituelles Eingebundensein in den Kreis symbolisieren, und – nicht zu vergessen – die Urmutter aus dem Hohlen Fels.
In diesem Zentrum sammeln sich auch unsere Erfahrungen, unsere Visionen und Wünsche – kurz: all das, was uns als Großmütter in der Zeit der Zusammenkunft im Rat ausmacht.
Nicht zuletzt legen wir in dieses Zentrum auch unsere Unfähigkeit, die Machtworte wirklich umzusetzen. Sie sind Vision und Wunsch, Richtung und Ziel. Und vielleicht ist das Eingeständnis unseres eigenen Unvermögens der größte Schatz im Kreis.

Bei jedem Treffen stehen unsere eigenen Erfahrungen mit jeweils einem Machtwort im Mittelpunkt. Bei der wortlosen Darstellung des Machtwortes „Wir lieben“ wurde uns bewusst, dass wir nur lieben, wenn wir die Befähigung dazu aus der göttlichen Liebe geschenkt bekommen. Und das gilt für alle Machtworte.
Hier im Kreis lassen wir uns rufen, stellen uns zur Verfügung und sind offen für einander und für die göttliche Botschaft. Hier im Kreis erhielten wir die 13 Machtworte und die Fähigkeit, sie so in Sprache zu bringen, wie es einer jeden richtig erschien. So sind wir Empfangende und Gebende zugleich.

Weitere wichtige Gaben sind unsere Trauer und unser Zorn. Trauer über all das, was wir Menschen über Jahrhunderte der Erde und ihren Geschöpfen angetan haben oder zumindest antun ließen und der Zorn, der sich im Machtwort äußert: Wir erheben unsere Stimme zum lauten Protest.

Der Kreis ist aber auch ein Schutzraum. Wir dürfen uns dort zeigen wie wir sind – verletzbar und unfertig. Um diese Qualitäten des Kreises zu erhalten, können wir ihn nicht beliebig vergrößern. Es gibt deshalb den Beschluss, den Rat der Großmütter nicht zu erweitern. Wir haben vielmehr die Vision, dass viele solcher Kreise entstehen, die sich verbinden, berühren, miteinander kommunizieren und wirken.

Alle Frauen, die die Kraft des Widerstandes in sich spüren, die empört sind über patriarchale Verirrungen und die unter dem Schmerz des daraus entstandenen Leides trauern, sollten aufstehen, sich zeigen und ein Machtwort sprechen.

Wir alten Frauen haben durchaus etwas zu sagen und wir schweigen nicht länger!

 
gez. Der Rat der Großmütter



Quellen und weiterführende Links

Bildquelle: Fotos v.o.n.u.:  © Anna-Lena Hertel , © Rat der Großmütter / ratdergrossmuetter.org , © Cornerstone  pixelio.de