... Das Lied von der Liebe der Eichen und Buchen  ...

von Anna-Lena Wulf
 

GöttinnenGleich: Eiche

Suchend in unendlichen Fernen,
wandern Blicke zu den Sternen.
Wispernde Worte zu mir dringen,
beginnen stumm ein Lied zu singen.

Von düsteren Zeiten raunen sie,
von Tagen getragen von Magie
und ein kleines Licht mich überkam,
als ich diese Geschichte vernahm:

Dumpf in dem Walde hallet ihr Schritt,
Nacht empfangend als sie ihn betritt.
Wuselnde Wesen huschen umher.
Stimmen flüstern nach ihrem Begehr.

Mit Gedanken in weiten Fernen,
wandert ihr Blick zu den Sternen,
folgt sie schweigend alten Wegen,
vernimmt nicht der Geister Reden.

Getragen vom aufkommenden Wind,
folgen sie rufend dem fremden Kind.
Bald tanzen Feen um sie im Kreis,
wispern ihren Namen laut und leis'.

Doch nichts über ihre Lippen dringt,
bis der Gesang der Bäume erklingt.
Da wandert ihre Stimme empor
und wird eins mit der Weisen Chor.

Lächelnd lässt sie sich nun tragen,
heimwärts auf den alten Pfaden.
Doch als die Lichtung sich offenbart,
wird dunkles Grauen ihr gewahrt.

Ein heller Strahl aus Sternenlicht,
in ihren Tränen sanft zerbricht.
Einst ruhte jenseits von Zeit und Raum,
dort in der Mitte ein mächtiger Baum.

Eine alte Eiche groß und stark,
sich früher geschützt hier verbarg.
Kein Blatt die einst dichte Krone ziert,
und der Stamm ist Blutverschmiert.

Hin fort das fruchtbare Erdenreich,
das damals umschloss die Wurzeln weich,
erloschen fast die Lebensfunken,
in einem Meer aus Leid ertrunken.

Die Frau kniet sich stumm darnieder,
Tränen verschließen Augenlieder.
War sie es, die das getan?
War sie es, die die Erde nahm?

Warum hast du mich nicht gehört?
Hat meine Liebe dich zerstört?
Dein ist ewiglich mein Seelenherz,
so nehme ich auf mich allen Schmerz.

Doch konnte er sie nicht mehr hören,
dachte sie würde Dämonen beschwören,
hatte sich von ihr abgewand,
und sich verschlossen vor ihrem Band.

Und herein brach die finstere Nacht,
und der Winter mit frostiger Macht.
Doch wich sie nicht von seiner Seite,
an der Eiche Stamm sie verweilte.

Blieb bei ihm Stunde um Stunde,
heilte mit Küssen Wunde um Wunde,
Sie nahm ihn schützend in den Arm,
hielt ihn in eisiger Kälte warm.

Ein kleines Licht drang zu ihr vor,
als sie zu seinen Füßen erfror.
Ihr Körper in seinem Arm einschlief,
als ihre Seele ihn verließ.

Im Frühling Eichenblätter sprossen,
und ein Buchentrieb unverdrossen
neben ihm einen Platz vorfand,
dort wo sie ihrer Liebe erlag.

Jahre kommen, Jahre gehen,
zusammen sieht man sie dort stehen.
Die Eiche einen Arm um sie legt,
uns sie ihre Blätter ihm zuweht.

Suchend in unendlichen Fernen,
wanderten Blicke zu den Sternen.
Wispernde Worte zu mir drangen,
so höret was sie dort besangen.

Und siehst du Eichen und Buchen
wie sie ihre Nähe suchen,
ganz eng zusammen stehen,
wisse, Liebe wird niemals vergehen.