... Seelenpfad  ...

von Anna-Lena Wulf
 

GöttinnenGleich: Seelenpfad

Wandelnd auf gewundenen Wegen,
alleine der Stille entgegen.
Auf längst vorbestimmten Pfaden,
Dienerin in all den Jahren.

… ~*~…

Ich stellte des Lebens Weichen,
tanzte auf zerfetzten Leichen,
rettete verlorene Seelen,
und zerschnitt lächelnd Kehlen.

Beglückt badete ich im warmen Blut,
und schmiedete in des Feuers Glut,
ein Schwert zu schlachten die Gerechten,
geweiht nur meinen eigenen Mächten.

Ich zog durchs Land mit meinen Horden,
ließ Mütter ihre Kinder ermorden,
schlief des Nachts beim Hass
und genoss des Grauens Ausmaß.

Ich brannte in den Feuern der Welten,
und ließ dies hundertfach vergelten.
Ich ging den Weg einer Kriegerin,
und begegnete einer Göttin.

… ~*~…

Dann bin ich gefallen,
gefallen um zu fallen mit den Gefallenen.

Die Zeit zog stumm vorbei,
und niemand hörte mein Geschrei.
Ich schrie und schrie und schrie und schrie,
selbst in der Hölle war ich ein Tier.

Eine Hand berührte meine Schulter,
blind, taub und stumm wurde ich da.
So stand ich dort mit mir allein
und begriff im Schoße der Göttin zu sein.

Ich neigte mein Haupt und beugte mein Knie,
spürte meiner Seele Agonie,
und Tränen flossen leise,
trugen mich fort auf eine Reise.

So kniete ich danieder,
erlebte es immer wieder,
und aus dem Leid, das ich gebracht,
wurde nun meine Strafe gemacht.

Ihre Qualen schlugen mir ins Gesicht
und ich war mein eigenes Gericht.
Ich begann zu sehen, begann zu fühlen,
und ein Licht in mir begann zu erblühen.

… ~*~…

So verging Tag um Tag, Jahr um Jahr
bis eine Hand streichelte mir durchs Haar.
Ich konnte wieder sehen
und sah sie vor mir stehen.

Sie lächelte mich an
und ein kleines Kind begann
mich neu zu kleiden
in schlichtem weißen Leinen.

Auf die Stirn küsste sie mich
und ich wurde weltlich.
Ich sah zu den Sternen
und begann zu lernen.

Als Dienerin des Lebens,
lernte ich die Kunst des Vergebens,
ich lernte den Zauber der Magie,
und fand in mir die Energie.

Ich beschritt den alten Pfad
erkannte das Lebensrad,
setzte mich zum Schutze ein
und fand in ihr mein Heim.

Ich diente den Menschenkindern,
und meine Seele begann sich zu ändern.
Aus Dunkelheit auferstanden,
begann ich mich in Licht zu wanden.

Sie war mein Weggefährte
und schuf aus mir eine Gelehrte.
In ihr fand ich mein Glück
und erhielt mein Schwert zurück.

… ~*~…

Wandelnd auf gewundenen Wegen,
alleine der Stille entgegen.
Auf längst vorbestimmten Pfaden,
Dienerin in all den Jahren.

… ~*~…

So kam ich in diese Leben,
bereit unendlich viel zu geben,
Magie und Liebe zu lehren
und die Schöpfung zu ehren.

Badend im Mondschein,
ging ich doch stets allein,
wanderte über Wiesen und Felder,
genoss die Ruhe meiner Wälder.

In ihnen erfahr ich wahre Liebe,
und des Glückes junge Triebe,
umschlingen sanft mein Herz,
nach all der Zeit voll Schmerz.

Erfüllt von Dankbarkeit,
weiß ich, ich bin bereit,
den Weg zu gehen so wie er ist,
weil ich weiß, dass du da bist.

… ~*~…

Wandelnd auf gewundenen Wegen,
gemeinsam dem Leben entgegen.
Auf vielleicht vorbestimmten Pfaden,
liebe ich dich in allen Jahren.