... Mein Weg zur Göttin: Anna-Lena ...
Erzählungen und Geschichten vom Weg zur und mit der Göttin

von Anna-Lena ( 2014 / Seelengöttin GöttinnenGleich )

 
GöttinnenGleich: Lena1997 - Am Anfang meines Weges kam eines Tages eine Klassenkameradin aufgeregt auf mich zu und zeigte mit in der Schulpause ein Buch, das sie heimlich auf dem Hamburger Hauptbahnhof erstanden hatte. Hierbei handelte es sich um „Das 1x1 der Hexenkunst“ von Gerina Dunwich. Sie meinte, dass ich mir die Beiträge über die Jahreskreisfeste unbedingt ansehen sollte. Und so hielt ich also ein Buch über echte Hexen in den Händen. Ich fand das Buch zwar teilweise etwas komisch, doch interessant war es irgendwie auch. Ob das wohl ginge? Zaubern und hexen und so? Aber warum nicht…

Meine Freundin bestand darauf, dass wir gemeinsam ein Jahreskreisfest feiern sollten. Da bereits Spätsommer war suchten wir uns Samhain aus. Ich war der Ansicht, dass man auch einen Tempel haben müsste, wenn man gemeinsam ein naturreligiöses Fest begeht. Darum beschloss ich einen zu bauen. Das konnte ja nicht sooo schwer sein.
Auf meinen Wanderungen entdeckte ich dann durch „Zufall“ einen wunderschönen Ort, der nur 500 m von meinem Hünengrab entfernt lag. Umgeben von einigen Bäumen war dort eine Art Lichtung. Sie war wie ein Krater geformt, der sich im Herbst und Winter mit Wasser füllte. Der Krater wiederum lag am Anfang einer Schlucht, durch welche ein kleiner Bach floss. In diesem Krater sollte der Tempel entstehen. Wir arbeiteten Wochen lang an dem Tempel und Trugen Steine herbei. Mit ihnen errichteten wir eine Insel, damit wir den Tempel auch nutzen konnten, wenn sich ein Teich bildete. Wir stemmten Stufen in die Wände des Kraters und der Schlucht ein, um leichter zum Tempel gelangen zu können. Ich errichtete einen Altar am Fuße einer Weide. Zum Schluss rollten wir große Steine herbei, und errichteten auf der Insel einen Steinkreis. Mit vier besonders großen Feldsteinen markierten wir die Himmelsrichtungen.
Dann war es so weit und Samhain rückte immer näher. Wir wussten nicht wirklich, wie wir dieses Fest feiern sollten, aber eines stand fest: Wir würden es versuchen!
Nun sind die Herbsttage bei uns im Norden oft sehr regnerisch. Und es kam so, wie es kommen musste. An Samhain goss es in Strömen und aus vollen Kübeln. Meine Freundin wurde zu allem Überfluss kurz vor dem Fest krank. So stand ich vor der Entscheidung, ob ich nun alleine in unserem Tempel das Fest begehe, oder es auf sich beruhen lasse sollte…
Da wir so viel Arbeit in den Tempel investiert hatten musste ich es einfach versuchen. Ich zog mir mein schönstes schwarzes Abtanzballkleid aus Spitze und Samt an. Dazu gesellten sich sehr passende und furchtbar schicke Gummistiefel im klassischen neon gelb. Ich packte etwas zu Essen und Trinken ein und zog todesmutig in der Abenddämmerung los.
Mittlerweile regnete es so stark, dass man noch kaum etwas sehen konnte. Zudem was es furchtbar windig. Doch in hatte es mir in den Kopf gesetzt genau dort, jetzt und heute zu feiern! Als ich beim Tempel ankam war das Bächlein schon zu einem reizenden Strom geworden und der Krater hatte sich mit Wasser gefüllt.
Nun stand ich dort in meiner Abtanzballkleid-Pracht, mit matschverschmierten Gummistiefeln, vollkommen durchnässt und mir war furchtbar kalt. Außerdem gab es da ein weiteres Problem: Ich hatte das Buch zu Hause liegen lassen… Wie feierte man denn nun richtig Samhain? Ich war enttäuscht, genervt und irgendwie richtig wütend. Wir hatten uns so viel Mühe gemacht, um ein schönes, vollkommen korrektes Samhain-Fest in unserem eigenen Tempel zu feiern. Und nun so ein Käse! Ich zog meine vermaledeiten Gummistiefel aus, watete durch das Wasser zum Steinkreis und stellte mich in seine Mitte.
Ich hob meine Arme zum Himmel empor und rief mit voller Kraft dem sich mittlerweile entwickelten Sturm entgegen: „Wer von euch Idioten da oben ist dafür verantwortlich, dass ich hier stehe und so einen Scheiß mache?“
Als Antwort erhielt ich einen Blitz, der den schwarzen Himmel erhellte… und ein lautes Donnern. Ich zuckte zusammen und dachte mir: „Ok, da mag mich wohl wer nicht.“
Frustriert wollte ich gehen, als mir plötzlich warm wurde und ich ein lautes Lachen hörte. Eine weibliche Stimme fragte mich:“ Warum suchst du dir denn auch ausgerecht das Fest der Toten aus um zu mir zu kommen? Was erwartest du denn vom Fest der Ahnen. Sonnenschein und 25 Grad im Schatten?“ Das Lachen ging über in ein lautes Donnergrollen und wieder zischten Blitze über den Himmel
Ich war dezent verängstigt und mir ziemlich sicher, dass ich nun vollkommen übergeschnappt wäre. Schleunigst sammelte ich meine Sachen zusammen und machte mich im Eiltempo auf den Weg nach Hause.

Von diesem Fest nahm ich vor allen 2 Dinge mit: Eine ausgewachsene Erkältung und ... meine Göttin.

Bildquelle: Fotos v.o.n.u.:  Anna-Lena / Seelengöttin / GöttinnenGleich / Hexenpfad /